Ausgabe März 1996

Blockierte Drogenpolitik

Reforminitiativen der Länder und ihre Behinderung durch die Bundesregierung

Die Drogenpolitik der CDU/FDP-Bundesregierung wird nach wie vor von "alten Rezepten" dominiert: Repression und Abschreckungsprävention, Abstinenzparadigma als Grundsatz der Hilfe und Verschärfung des "war on drugs". Die drogenfreie Gesellschaft - frei aber nur von ausgewählten Drogen - bleibt das ideologische Leitbild.

Obwohl weder das Angebot an Drogen noch die Nachfrage vermindert werden konnte und auch die Effektivität traditioneller Drogenhilfe gering blieb, hält die Bundesregierung an ihrer Suchtpolitik fest. Alle wesentlichen Vorschläge zur Neuorientierung der Drogenpolitik, wie neue Therapieformen, Harm-Reduction-Ansätze oder eine wirksame Entkriminalisierung, wurden in den letzten Jahren entweder von der konservativ-liberalen Regierungsmehrheit blockiert oder - im günstigeren Falle - in abgeschwächter Form und zeitverzögert von den Bundesländern übernommen. Soweit es in den letzten Jahren überhaupt zu (gesetzlichen) Modifikationen in der Drogenpolitik gekommen ist, waren es einzelne Bundesländer und der Bundesrat, die Initiativen für eine Reform vorangetrieben haben. Eine Vorreiterrolle haben hier sozialdemokratische und rot-grüne Landesregierungen übernommen, vor allem in Hamburg und Hessen.

März 1996

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema