Ausgabe April 1997

Das Erbe der Neuen Linken. Grüne Optionen

Ihre Gegner scheuen keine Mühe, sie wegzudefinieren - aber es gibt sie, die deutsche Linke, so buntgemischt sie in ihrer Ideologie und sozialen Zusammensetzung auch sein mag und so oft ihre eigenen Angehörigen bestreiten mögen, daß etwas wie "die Linke" nach wie vor existiert. Will man die deutsche Linke charakterisieren, liegt der Rückgriff auf James Potter Stewart nahe, einstiges prominentes Mitglied des Obersten Bundesgerichtshofs der USA, der sich einmal an der Beschreibung von Pornographie versuchte: "Ich habe keine Ahnung, wie ich sie definieren soll, aber sagen wir es einmal so: Ich weiß, was sie ist, wenn ich sie sehe." Gleiches gilt für die deutsche Linke. Wir wissen nicht, wie wir sie bestimmen und eingrenzen sollen, aber wir wissen, was sie ist, wenn wir sie sehen. Und gleiches gilt für die tatsächlichen Vertreter dieser amorphen Erscheinung. Es ist müßig zu behaupten, die Linke existiere nicht, weil ihre Ideen und Ideologien immer heterogener und der soziale Hintergrund derer, die sich ihr zugehörig fühlen, immer disparater werden.

Noch müßiger ist die Behauptung, die Linke habe sich verabschiedet, weil der "real existierende Sozialismus" (leider viel zu spät) zusammengebrochen sei.

April 1997

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.