Ausgabe März 2026

Die Kunst der Bricolage

Wie wir eine ökologische Zukunft offenhalten können

In den nächsten 10 bis 20 Jahren müssen pragmatische Maßnahmen und politische Interventionen im Rahmen der ökologischen Modernisierung vorangetrieben werden. Hier zu sehen: Eine Agri-Photovoltaik-Anlage in Kaiserstuhl (IMAGO / Zoonar)

Bild: In den nächsten 10 bis 20 Jahren müssen pragmatische Maßnahmen und politische Interventionen im Rahmen der ökologischen Modernisierung vorangetrieben werden. Hier zu sehen: Eine Agri-Photovoltaik-Anlage in Kaiserstuhl (IMAGO / Zoonar)

Die dramatische Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität führt in eine zeitliche Zwickmühle: Es müsste sich sofort sehr viel ändern, was unrealistisch erscheint. Deshalb ist die Gefahr groß, in einen apokalyptischen Zukunftspessimismus zu verfallen. Der Ausweg muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.

Wir befinden uns bereits in einer Phase der »Post-Nachhaltigkeit«, in der die negativen Auswirkungen des Klimawandels und des Biodiversitätsverlustes – mit dem Risiko eines gesellschaftlichen Zusammenbruchs –zunehmend spürbar werden, was das Vertrauen in eine positive Zukunft untergräbt. Doch sowohl ein Präsentismus, der einen sofortigen radikalen Wandel fordert, als auch ein apokalyptischer Pessimismus sind problematisch. Ersterer ist komplett unrealistisch, Letzterer unverantwortlich. Wie aber können wir den so dringend gebotenen institutionellen Wandel tatsächlich gestalten? Statt auf fixe Utopien oder Resignation zu setzen, brauchen wir ein schrittweises, tastendes Handeln, das zugleich langfristige Folgen bedenkt – eine Art Bricolage.1 Zukunft darf trotz des Verlustes einer Fortschrittsperspektive nicht durch Präsentismus oder Pessimismus abgeschlossen, sondern muss offengehalten werden. Nur so bleiben wir anpassungsfähig und demokratisch handlungsfähig.

»Blätter«-Ausgabe 3/2026

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Druckausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Blackout: Die imperiale Lebensweise lässt sich nicht »abschalten«

von Ulrich Brand, Markus Wissen

Fünf lange Tage waren zehntausende Haushalte und mehr als 2000 Unternehmen bei eisigen Temperaturen im Berliner Südwesten Anfang Januar ohne Strom und ohne Heizung. Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Brandanschlag auf eine wichtige, oberirdisch verlaufende Kabelbrücke des Berliner Stromnetzes.