Zuerst sah es nach medialen Turbulenzen aus. Nachdem die Sensationspresse das Objekt ihrer (und ihrer Kunden) Begierde einmal nicht nur gejagt, sondern versehentlich auch zur Strecke gebracht hatte, wurden in London Pressefotografen von den Endverbrauchern ihrer Bilder verprügelt. Zum Glück gab es bald Entlastung. Die ersten Berichte glichen Tableaus, in denen jeder auf einen anderen zeigt und "Der war's!" ruft. Der Bruder zeigt auf die Presse, die Presse auf die "Paparazzi" (das Wort kennen wir jetzt alle), die seriöse Presse auf die Sensationsblätter, die wiederum unverzagt die seriösen als gute Abnehmer solcher Fotos outet. Bis dann einer das erlösende: "Wir sind alle schuld" zu Papier bringt. Die britischen "tabloids" wissen, worauf Verlaß ist. Auf die Unfähigkeit der Royals zu erfolgreicher massendemokratischer Selbstpräsentation allemal. Die hatte auch zuvor den Stoff für das Lady-Di-Spektakel geliefert. Hinter der Schlagzeile "Warum schweigt die Queen?" lauert der Verdacht, die Royals hätten das Ende der Skandale womöglich mit klammheimlicher Freude quittiert. Das bewiese einmal mehr massendemokratische Naivität. Durch eine lebende Skandalnudel kann die Monarchie nur gewinnen, aber gegen den Mythos einer toten kommt sie nicht an.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.