Ausgabe Dezember 1997

Zur Auseinandersetzung um den wirtschaftspolitischen Kurs der SPD

Wir brauchen einen wirtschaftpolitischen Richtungswechsel. Erklärung sozialdemokratischer WissenschaftlerInnen, GewerkschafterInnen und FunktionsträgerInnen zur Wirtschaftspolitik der SPD vom 6. Oktober 1997 (Wortlaut)

In den letzten 15 Jahren haben sich die ökonomischen und sozialen Probleme in der Bundesrepublik drastisch verschärft. An Massenarbeitslosigkeit, wachsender sozialer Ungleichheit und leeren öffentlichen Kassen ist aber weder die deutsche Vereinigung noch die sogenannte Globalisierung Schuld. Die Verantwortung trägt in erster Linie die jetzige konservative Bundesregierung und ihr Kanzler Helmut Kohl. Wir setzen uns dafür ein, daß es 1998 endlich den überfälligen Regierungswechsel in Bonn gibt. Wir sind aber der Auffassung, daß dieser auch eine deutliche Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik nach sich ziehen muß. Erforderlich ist ein Konzept, daß alle Anstrengungen darauf konzentriert, in der Bundesrepublik wieder Vollbeschäftigung herzustellen.

Entgegen den anderslautenden Behauptungen in Teilen von Politik, Wissenschaft und Medien ist dies nur durch einen Bruch mit der neoliberalen Logik der Deregulierung und des Sozialabbaus möglich. Die aktuelle wirtschaftspolitische Diskussion in der SPD läßt uns jedoch daran zweifeln, ob unsere Partei das nötige Alternativkonzept bereits entwickelt hat.

Dezember 1997

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.