Die Gerüchte stimmten. Eine erschütternde Artikelserie des Afrikaspezialisten Patrick de Saint-Exupéry, erschienen in der französischen Zeitung "Le Figaro", dokumentiert endlich - 1998! Frankreichs Verstrickung in den ruandischen Völkermord vor vier Jahren. Saint-Exupéry zitiert Zeugenaussagen von Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen, von Beamten und von Soldaten, des weiteren auch Beweismaterial, das die Vereinten Nationen in Ruanda gesammelt haben. Hinzu kommen die Ende 1997 vorgelegten vernichtenden Ergebnisse, zu denen ein Untersuchungsausschuß des belgischen Parlamentes gelangte. (Belgien ist die frühere Kolonialmacht Ruandas.) Saint-Exupérys Report besagt, daß französische Truppen seit 1992 an vorderster Front aktiv - aber geheim - bei der Bekämpfung der Tutsi-Rebellen in Ruanda mitgewirkt haben. Während des Genozids 1994 waren sie präsent, griffen aber nicht ein. Vielmehr verhalfen sie den Initiatoren des Völkermords zur Flucht. Die Tutsi-Invasion Ruandas, die 1992 von ugandischen Boden aus begann, wurde von der Regierung des englischsprechenden Nachbarlandes unterstützt. Es war der Versuch der ethnischen Minorität (etwa 10% der Bevölkerung Ruandas), ein Land zurückzuerobern, das sie für den größten Teil der letzten beiden Jahrhunderte beherrscht hatte.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.