Ausgabe April 1998

Die neue Wirtschaftspolitik in Frankreich

Die seit Juni 1997 amtierende französische Regierung unter Ministerpräsident Lionel Jospin hat den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und für mehr Beschäftigung ins Zentrum ihrer Arbeit gestellt. Im Unterschied zur deutschen Regierung, die das Gleiche behauptet, verläßt sie dabei den neoliberalen Pfad der Lohn- und Steuersenkungen, des Sozial- und des Personalabbaus. Stärkung der Massenkaufkraft zur Ankurbelung des privaten Verbrauchs

Wenige Wochen nach ihrem Amtsantritt erhöhte die Regierung den gesetzlichen Mindestlohn um 4% auf 5 240 FF (1700 DM); dies kommt 2,2 Mio. oder rund 10% aller Beschäftigten zugute. Zur gleichen Zeit wurde die einmalige Unterstützungszahlung für Schulanfängerinnen und Schulanfänger von 420 auf 1600 FF aufgestockt. Mit der Vorlage des Haushalts 1998 wurden die Krankenversicherungsbeiträge der ArbeitnehmerInnen von 5,5% auf 0,75% gesenkt. Gleichzeitig soll allerdings die erst 1991 eingeführte allgemeine Sozialsteuer (CSG = Contribution sociale généralisée) - die auf 95% der Bruttoeinkommen und auf alle anderen Einkommensarten, also auch Kapitalerträge, Mieteinnahmen u.a. erhoben wird - von 3,4% auf 7,5% steigen. Insgesamt ergibt sich dadurch bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Entlastung von 30 Mrd. FF (9 Mrd. DM), für niedrige Einkommen sind das rund 2%.

April 1998

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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