Das dürfte es eigentlich nicht geben: Zunächst in Frankreich, jetzt auch in der Bundesrepublik, stehen Arbeitslose auf, um ihre Rechte einzufordern - kämpfen für ein Recht auf Arbeit, eine hinreichende materielle Absicherung, nicht zuletzt aber für die Rückgewinnung ihrer Würde. Hatte nicht der main stream der Sozialwissenschaften die Erwerbslosen pauschal zu apathischen, resignierten und dauerhaft marginalisierten Opfern der Arbeitsmarktkrise und damit als unfähig zu sozialer oder politischer Bewegung abgestempelt? Hatten nicht interessierte Kreise den Betroffenen die Schuld an der Unterbeschäftigung zugewiesen? Eine solche Personengruppe galt, einer verbreiteter Auffassung zufolge, jedenfalls als unfähig, Subjekt der eigenen Interessen zu sein. Während in Deutschland die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik nach wie vor von neoliberalen Ansätzen bestimmt wird, regiert im westlichen Nachbarland bekanntlich eine Linkskoalition unter Einschluß von Linkssozialisten und Kommunisten. Daß diese Regierung auch mit den Stimmen Arbeitsloser ins Amt gekommen ist, kann nach den Resultaten der Wahlforschung ebenso angenommen werden wie die Offenheit einer solchen Administration für die Forderungen Arbeitsloser.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.