Von Franz Ansprenger Unsere Vorfahren glaubten, am Ende des Regenbogens - da, wo er die Erde berührt - könne man ein goldenes Schüsselchen finden. Für die Südafrikaner die seit 1990 gern davon sprechen, ihre Zukunft als die einer Rainbow Nation zu gestalten, ist damit ein anderer, ein doppelter Wunsch verbunden. Die bunte Pracht des Regenbogens soll natürlich das Wunder einer plötzlich aufblühenden Harmonie zwischen den "Rassen", zwischen Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe symbolisieren. Schwarz und Weiß kommen bekanntlich im Spektrum des Regenbogens gar nicht vor. Aber so ganz "reinrassig" sind ja viele Südafrikaner auch nicht. Sei's drum, das Symbol fasziniert. Zweitens bedeutet für Juden und Christen und die Südafrikaner sind im Vergleich mit Europa ein ungemein religiöses Volk - der Regenbogen Versöhnung, den urzeitlichen Bund zwischen Gott und einer nach der Sintflut neubegründeten Menschheit. Acht Jahre nach dem kühnen Entschluß des damaligen Präsidenten De Klerk, die Apartheid über Bord zu werfen, und vier Jahre nach den ersten allgemeinen Wahlen, die das demokratische neue Südafrika begründeten, halten manche Kommentatoren das Ende des Regenbogens für erreicht. Man ist auf der Erde zurück, und die Landung ist etwas unsanft. Das goldene Schüsselchen liegt sicher irgendwo, denn die Schätze im Boden Südafrikas sind noch lange nicht erschöpft.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.