Solange Politik stattfindet, werden in ihr und durch sie soziale Verhältnisse gestaltet und wird dafür über dingliche Konstellationen und Konstruktionen entschieden - auf eine Vielzahl von also politisch organisierten Menschen hin, die an dieser Gestaltung oder Machtausübung beteiligt sein sollten (Minimalbedingung von Demokratie). In diesem Sinne ist politisches Handeln immer zukunftsgerichtetes Handeln. Vorausgesetzt, daß überhaupt Handlungschancen bestehen ("Kontingenz"), sich Politik ereignen kann, verbraucht politisches Handeln Möglichkeiten ("Ressourcen"). Bestimmte Möglichkeiten werden aktualisiert und als zukünftige Chancen wahrgenommen. Andere werden dadurch hintangestellt oder ausgeschlossen. Politik als kollektiver Versuch von Menschen, ihre Gegenwart und Zukunft in dem jeweils möglichen Maß selbst zu gestalten (zu "machen" und in diesem Sinne "Macht" auszuüben) darüber vor allem auch, was möglich ist, wird gestritten -, enthält insofern immer erneut ein riskantes prometheisches Versprechen. Voraus zu denken und rechtzeitig handeln, statt epimetheusgleich immer zu spät zu kommen. Etwas ganz anderes ist es zu meinen, die Zukunft geradezu perfekt planen, also vorwegnehmen und risikikolos machen zu können.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.