Nahostgipfel im Oktober 1998 am Wye River: Abgeschieden der Konferenzort und ausgeschlossen die Presse - darin erschöpft sich auch schon die Parallele zu Camp David. Auf dem Landsitz des amerikanischen Präsidenten einigten sich 1978 der israelische Regierungschef Mechachim Begin und der ägyptische Präsident Anwar el Saddat auf die Rückgabe des israelisch besetzten Sinai an Ägypten; die Vermittlungsleistung Jimmy Carters wurde ein Jahr später vom ersten Friedensvertrag gekrönt, den Israel mit einem seiner arabischen Nachbarn schloß. Zwanzig Jahre später kann von einem großen Wurf wie in Camp David nicht die Rede sein. In der ländlichen Idylle an der Chesapeake Bay ging es vielmehr darum, den israelisch-palästinensischen Friedensprozeß aus dem Koma zu erwecken. Denn fünfzig Jahre nach Gründung des Staates Israel und fünf Jahre, nachdem Itzhak Rabin und Yassir Arafat vor dem Weißen Haus einander und der Welt versprochen hatten, die Jahrhundertfeindschaft zwischen Israelis und Palästinensern begraben zu wollen, drohte dem Versuch, die palästinensische Hypothek auf dem Verhandlungswege abzutragen, der Offenbarungseid.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.