Ausgabe Januar 1999

Charlie im KZ

Das Kino hatte schon immer die Angewohnheit, Sachen zu zeigen, die im realen Leben nicht gehen, und wir hatten schon immer eine große Freude daran, uns für ein paar Stunden glauben machen zu lassen, daß sie doch gehen. Es sei unmöglich, so ein allgemeiner Konsens, den Holocaust künstlerisch darzustellen, und doch wurde es immer wieder versucht. Letztlich läßt sich wahrscheinlich die Legitimität solcher Produkte nicht aus einem abstrakten Authentizitätsideal ableiten, und es hat sich als Kriterium eher die Frage nach der Nützlichkeit oder Schädlichkeit bewährt. Das aber bringt es mit sich, daß nur vorübergehende Urteile möglich sind, daß die Zulässigkeit einer Holocaust-Darstellung nicht nur von ihren künstlerischen Qualitäten und ihrer ideologischen Korrektheit abhängt, sondern auch vom aktuellen Zustand der Öffentlichkeit, in die sie gelangt und in der sie wirken soll.

Roberto Benignis Film Das Leben ist schön ist künstlerisch perfekt und ideologisch korrekt: Guido, ein exzentrischer junger Mann, den wir schon aus vielen Filmen kennen, erobert sich mit viel Witz und unterhaltsamen Slapstick-Nummern das Mädchen Dora.

Januar 1999

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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