Ausgabe Juni 1999

Den Krieg wieder denken

Clausewitz, Kosovo und die Kriege des 21. Jahrhunderts

Wer keine Kriege führt und auch nie mehr Krieg führen will, wie dies in Deutschland bis vor kurzem Konsens war und eigentlich immer noch ist, muß den Krieg auch nicht denken. Das für undenkbar Erklärte denken zu wollen ist absurd. Und weil der Krieg demgemäß nicht gedacht werden kann, braucht man auch keinen Begriff des Krieges. Wird der Krieg als Mittel der Politik abgelehnt, so muß er auch nicht begriffen werden. "In der Bundesrepublik beherrschen die Gesinnungspazifisten auf der einen, die Rechtspazifisten auf der anderen Seite die öffentliche Auseinandersetzung", hat Jürgen Habermas kürzlich festgehalten und ergänzend noch hinzugefügt: "Sogar die 'Realisten' schlüpfen unter den Mantel der normativen Rhetorik." 1) Für Habermas ist dies ein Zustand, der, bei allen Problemen mit dem Krieg auf dem Balkan, doch eher zur Hoffnung Anlaß gibt. Aber die politisch gewollten, historisch verständlichen und moralisch befriedigenden Denkverweigerungen gegenüber dem Krieg beginnen sich jetzt zu rächen.

Mit der Rebalkanisierung des früheren Jugoslawiens hat uns der Krieg nicht nur der Sache, sondern auch dem Begriff nach doch wieder eingeholt - selbst wenn noch eine Zeitlang versucht wurde, das Wort "Krieg" zu meiden.

Juni 1999

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema Krieg und Frieden

Iran und der Krieg: Die hartnäckige Herrschaft der alten Garde

von Nima Mina

Nach 60 Tagen lief im August der brüchige Waffenstillstand zwischen den USA und Iran aus. Egal, zu welchem Arrangement es letztlich kommt: Trotz erheblicher personeller und militärischer Verluste wurde die Islamische Republik nicht zu einer politischen und militärischen Kapitulation gezwungen.