Jan Ross hat jüngst in der "Zeit" (29.8.1999) Schröders Wirkung einigermaßen beeindruckt als mutiges Aufräumprogramm beschrieben und dem Kanzler eine erstaunliche destruktive Potenz attestiert. In der Tat: Das Wegmobben Oskar Lafontaines, die offene Adoption des neoliberalen Glaubenssatzes, das Angebot schaffe sich schon seine Nachfrage, im Schröder/Blair-Papier, und schließlich jenes Sparpaket, das dem neuen Finanzminister von seinem streichwütigen Staatssekretär Oberhauser diktiert wurde - dies alles trifft eine zentrale Legimationsgrundlage der Sozialdemokratie und ihres Bundestagswahlangebots vom Herbst 1998: glaubwürdig für sozialen Ausgleich, soziale Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft zu stehen. Die abrupte Preisgabe sozialdemokratischer Universalien und eine Politik "rechts der Union" (Peter Lösche), exekutiert vom langjährigen VW-Aufsichtsratspräsiden und kurzzeitigen SPD-Parteichef, wird von denen, an die sie sich richtet, insbesondere den Industrie- und Arbeitgeberverbandsvertretern, als mutiges Werk der "Zerstörung" sozialdemokratischer Traditionen (so auch Eckhard Fuhr, FAZ, 20.8.1999) gelobt.
Es währte nur sehr kurz: Das erst im Januar 2023 eingeführte Bürgergeld ist schon wieder Geschichte. Am 5. März beschloss der Bundestag zahlreiche Verschärfungen gegenüber Grundsicherungsbeziehenden.