Ausgabe November 1999

Ein Wunderwerk der Kontinuität

Parameter rot-grüner Außenpolitik

Im Herbst 1998 endete die Karriere von Helmut Kohl, nachdem er 16 Jahre an der Macht gewesen war. Nur Bismarck, 19 Jahre lang Reichskanzler, hat Deutschland länger regiert. Die Wahlniederlage des Kanzlers beendete nicht nur einen politischen Zyklus von außerordentlicher Dauer. Der 27. Oktober 1998, der Tag, an dem Gerhard Schröder als siebter Kanzler der Bundesrepublik vereidigt wurde, markiert das Ende einer Ära deutscher Geschichte. 1930 geboren, war Helmut Kohl der letzte Kanzler, der den Zweiten Weltkrieg, die Kapitulation des Dritten Reiches und die Wiedergeburt Westdeutschlands unter den geladenen Gewehren der Besatzungsmächte persönlich miterlebt hatte. Während sein Nachfolger Schröder noch die Volksschule besuchte, wurde Kohl Zeuge des weltlichen Gegenstücks zur Transsubstantiation, als aus Siegermächten Alliierte wurden und das meistgehaßte Volk auf Erden in die Gemeinschaft der westlichen Nationen aufgenommen wurde. Bis heute erinnert sich Kohl gern daran, daß sein erster dunkler Anzug, getragen beim Tanzstunden-Ball, aus einem amerikanischen Care-Paket stammte, ebenso wie das Kleid seiner späteren Frau Hannelore. Im Gegensatz zu Schröder und seinen Hintersassen war Kohl während der dunkelsten Tage des Kalten Krieges, zwischen Berlin-Blockade 1948/49 und Bau der Mauer 1961, bereits erwachsen.

November 1999

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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