Ausgabe Dezember 1999

Die DDR-Grenzsicherung und die bundesdeutsche Justiz

Zur rückwirkenden Strafbarkeitsbegründung durch Gerichte

Zur rückwirkenden Strafbarkeitsbegründung durch Gerichte

Von Gerald Grünwald

Dieser Beitrag, verfaßt zu Ehren von Prof. Dr. Giorgios Alexandros Mangakis, erscheint zugleich in einer diesem gewidmeten Festschrift des Athener Verlags Ant. N. Sakkoulas. - Zur jüngsten Entscheidung des Bundesgerichtshofs in Sachen Egon Krenz, Günther Kleiber und Günter Schabowski vom 8. November vgl. den Kommentar von Heinrich Senfft in diesem Heft. Im Zusammenhang der gerichtlichen "Aufarbeitung" des DDR-Grenzregimes sei auch an Helmut Ridders Kommentar zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Albrecht, Keßler und Streletz in den "Blättern" 1/1997 ("Dr. Mabuse lebt") erinnert. - D. Red.

Zu den rechtsstaatlichen Grundsätzen, die in der Verfassungsordnung der Bundesrepublik Deutschland uneingeschränkt gesichert schienen, zählt das Gesetzlichkeitsprinzip des Art. 103 Abs. 2 Grundgesetz: Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde.

Die nach der deutschen Vereinigung mit der strafrechtlichen Aufarbeitung der Vergangenheit befaßte Rechtsprechung hat uns die Erfahrung beschert, daß der Schutz, den diese Verfassungsnorm dem Rechtsunterworfenen vor dem Zugriff der Staatsgewalt gewähren soll, dann unwirksam wird, wenn die Gerichte das Interesse an der Strafverfolgung als unabweisbar bewerten.

Dezember 1999

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Recht

Die Wehrpflicht gleicher Bürger

von Sven Altenburger

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat in Deutschland eine intensive Debatte über die Notwendigkeit einer Wehrpflicht ausgelöst. Dabei werden die ideengeschichtlichen Grundlagen der Wehrpflicht von ihren Gegnern regelmäßig verkannt, nämlich Republikanismus und Egalitarismus.

Frieden durch Recht

von Cinzia Sciuto

Am Anfang stand der 11. September 2001. Danach wurde die Lawine losgetreten: Ein langsamer, aber unaufhaltsamer Erdrutsch erfasste die internationale rechtliche und politische Ordnung. Ein Erdrutsch, der nach und nach die supranationalen Institutionen und die stets fragile, aber nie völlig illusorische Utopie einer friedlichen und auf dem Recht basierenden Weltordnung tief erschüttert hat