Ausgabe Mai 2000

Afrikanische Aporien im Zeitalter der Globalisierung

Im Büro der deutsch-nigerianischen Handelskammer in Lagos hängt eine Landkarte von Afrika, auf der die deutschen Handelsvertretungen auf dem Kontinent verzeichnet sind. Das arabische Nordafrika ist dreimal vertreten, hinzu kommen Südafrika und eben Nigeria. Das ganze restliche Afrika: Fehlanzeige. Ein durchaus typisches Bild in Zeiten der Globalisierung, die der Kontinent als Zuschauer erlebt. Je mehr Grenzen zwischen den Industriestaaten fallen, je selbstverständlicher sogenannte emerging markets als Partner im weltweiten Handel akzeptiert sind, desto offensichtlicher werden jene Regionen abgekoppelt, die wirtschaftlich ohne Belang sind. Letzteres gilt für Afrika, vor allem für jenes Afrika südlich der Sahara. Weltpolitisch ist der Kontinent natürlich voll integriert. Die afrikanischen Staaten haben Sitz und Stimme in den internationalen Organisationen: keine Debatte um die Zukunft des Welthandels oder der internationalen Krisenprävention ohne sie.

Aber gerade dadurch, daß Afrika überall dabei ist, wird es sich bewußt, daß es meist bloß am Katzentisch sitzt, ohne wirklichen Einfluß auf die Entscheidungen. Schon früher mußten afrikanische Führer und Intellektuelle eine europäische Sprache beherrschen, um mitreden zu können. (Umgekehrt galt und gilt das natürlich nicht.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.