Ausgabe Mai 2000

Eine ganz andere Weltzivilisation denken

Kaum eine Politikerrede, die nicht die Arbeitslosigkeit als eines der größten Übel unserer Gesellschaft beklagt - kein Tarifabschluß, kein Haushaltsplan, kein EU-Gipfel, der sich nicht zumindest rhetorisch in den Dienst der "Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" stellt. Entgegen allen Beteuerungen, Bemühungen und trotz vereinzelter "Erfolge" wurde bislang weder auf dem bundesdeutschen noch auf dem europäischen Arbeitsmarkt ein Durchbruch erzielt. Bereits Anfang der 80er Jahre, zu Beginn der Massenarbeitslosigkeit, provozierte der liberale Theoretiker Ralf Dahrendorf - im Rückgriff auf Hannah Arendt - mit der These vom "Ende der Arbeitsgesellschaft". Der französische Sozialphilosoph André Gorz macht sich in seinem kürzlich auf deutsch erschienen Buch "Arbeit zwischen Misere und Utopie" (Suhrkamp) diese Formel zu eigen, um einen radikalen Perspektivwechsel einzufordern: Nicht die Misere beklagen, sondern sie offensiv nutzen. Wir danken André Gorz, daß er sich die Zeit genommen hat, die Fragen von Margund Zetzmann zu beantworten. - D. Red.

"Blätter": Die Gesellschaft zeigt Risse. Sie drängen darauf, das als Chance zu begreifen und den Bruch zu wagen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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