Ausgabe Mai 2000

Eine ganz andere Weltzivilisation denken

Kaum eine Politikerrede, die nicht die Arbeitslosigkeit als eines der größten Übel unserer Gesellschaft beklagt - kein Tarifabschluß, kein Haushaltsplan, kein EU-Gipfel, der sich nicht zumindest rhetorisch in den Dienst der "Bekämpfung der Arbeitslosigkeit" stellt. Entgegen allen Beteuerungen, Bemühungen und trotz vereinzelter "Erfolge" wurde bislang weder auf dem bundesdeutschen noch auf dem europäischen Arbeitsmarkt ein Durchbruch erzielt. Bereits Anfang der 80er Jahre, zu Beginn der Massenarbeitslosigkeit, provozierte der liberale Theoretiker Ralf Dahrendorf - im Rückgriff auf Hannah Arendt - mit der These vom "Ende der Arbeitsgesellschaft". Der französische Sozialphilosoph André Gorz macht sich in seinem kürzlich auf deutsch erschienen Buch "Arbeit zwischen Misere und Utopie" (Suhrkamp) diese Formel zu eigen, um einen radikalen Perspektivwechsel einzufordern: Nicht die Misere beklagen, sondern sie offensiv nutzen. Wir danken André Gorz, daß er sich die Zeit genommen hat, die Fragen von Margund Zetzmann zu beantworten. - D. Red.

"Blätter": Die Gesellschaft zeigt Risse. Sie drängen darauf, das als Chance zu begreifen und den Bruch zu wagen.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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