Ausgabe Juni 2000

Von Vietnam nach Kolumbien

Die Diskussionen aus Anlaß der Jahrestage der amerikanischen Niederlage in Vietnam vor 25 Jahren, der Invasion in Kambodscha und der Toten an der Kent State University 1970 haben die wichtigste Lehre des Vietnamkrieges zumeist ignoriert. Die besteht in der Anerkennung der grundlegenden Tatsache, daß ein Bürgerkrieg nicht durch eine äußere Intervention zu entscheiden ist. Den Krieg müssen Einheimische gewinnen. Heute drohen die USA in einem ganz anderen Land in einen internen Konflikt hineinzuschlittern, nämlich in Kolumbien, diesmal allerdings ohne die Absicht, Kampftruppen einzusetzen. Denn unter USPolitikern und hohen Militärs existiert eine tiefsitzende, quasi verinnerlichte Angst vor Interventionen mit Bodentruppen. Aktivitäten amerikanischer Soldaten in Kolumbien würden sich auf Trainingsmaßnahmen und Leitungsaufgaben beschränken - obwohl es auch in Vietnam so angefangen hat. Damals ging es darum, die anfänglichen militärischen Investitionen in Ausbildung und Anleitung südvietnamesischer Kampfverbände nicht zu gefährden, für die amerikanische Nation eine Prestigefrage, die dann den Krieg eskalieren ließ.

Kolumbien hat ein halbes Jahrhundert extremer und andauernder Gewalt erlitten. Ein brutaler Bürgerkrieg, La Violencia genannt, wütete von 1945 bis 1965.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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