Ausgabe Juni 2000

Was heißt hier Autonomie?

Dreißig Jahre Hochschulreform

Die Deregulierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) im August 1998 markiert eine Zäsur in der Entwicklung des bundesdeutschen Hochschulsystems. Dreißig Jahre nach der 1968 auf den Weg gebrachten sozialliberalen Hochschulreform der 70er Jahre hat der Bundesgesetzgeber den Ländern die Option eines Abschieds von der Gruppenhochschule eröffnet, von der derzeit ausgerechnet die rotgrüne Regierungskoalition in Nordrhein-Westfalen am konsequentesten Gebrauch macht. 1) Die gegenwärtige Neuordnung der inneren und äußeren Verfassung der deutschen Hochschulen, also sowohl ihrer internen Steuerungs- und Entscheidungsprozeduren als auch des Verhältnisses von Hochschulen und Staat (und in einem weiteren Sinne von Wissenschaft und Gesellschaft), zielt jedoch nicht etwa auf eine Restauration der alten Ordinarienuniversität ab. Herrschendes Leitbild der Umstrukturierung des Hochschulwesens ist vielmehr eine radikale Ökonomisierung von Bildung und Wissenschaft bis hin zu einem vollständigen Verzicht auf überkommene Strukturen der akademischen Selbstverwaltung.

Rückblick: Von der Ordinarienuniversität zur Gruppenhochschule

Nach 1945 war es in Deutschland zunächst zu einer Restauration der bereits vor dem Ersten Weltkrieg bestehenden Hochschulverfassung gekommen - der kulturstaatlich verfassten Ordinarienuniversität.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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