Die Nachbarn reiben sich die Augen: Wieder einmal geht das Gespenst des Rechtsradikalismus um in Deutschland, und eine parteiübergreifende Koalition von aufgeschreckten Politikern verlangt schnellstens "Maßnahmen" (bis hin zu Schnell- alias Standgerichten). Die CSU setzt sich, sehr betont und nicht zum erstenmal, für ein Verbot der NPD ein und der Außenminister, der sich für das Deutschlandbild "des Auslands" zuständig fühlt, fordert ab sofort "Null Toleranz" gegen rechtsradikale Umtriebe. Die Sorge um das Ansehen Deutschlands ist durchaus verständlich. Die vielen Anschläge auf "Ausländer", Juden, Homosexuelle und Obdachlose zeugen von einer Grausamkeit, die man spätestens seit 1945 überwunden glaubte. Politiker erschöpfen sich in Betroffenheit, beschwören Zivilcourage - und setzen dabei auch auf das kurze Gedächtnis der Öffentlichkeit. Denn es gab sie, die "Einheit von Schlips und Springerstiefel", wie die "Asyldebatte" Anfang der 90er Jahre deutlich gemacht hat. Mit menschenverachtender Rhetorik agierten Politiker fast aller Parteien gegen die "Asylantenflut" und beteuerten das Boot sei voll.
Das Jahr 1976 entpuppte sich als Krisenjahr für die DDR-Regierung, von dem sie sich nicht mehr erholen sollte. Schon vor der Ausbürgerung Wolf Biermanns sorgte der Feuertod des Pfarrers Oskar Brüsewitz für Unruhe.