Ausgabe November 2000

Die vermarktete Universität

Der Politikwissenschaftler Graf Kielmannsegg eröffnete 1984 mit einem Referat unter der Überschrift "Adam Smith und Wilhelm von Humboldt, Überlegungen zur Frage, ob mehr Wettbewerb im deutschen Hochschulsystem wünschenswert und möglich ist" 1) auf der Ebene der Westdeutschen Rektorenkonferenz die Diskussion über ökonomische Steuerungsmechanismen im Hochschulbereich. Die seit Ende der 70er Jahre verstärkt geforderte Rückführung der normativen Steuerung erhielt durch die Ökonomisierung des Wettbewerbsbegriffs einen anderen Sinnkontext. Seither geht es nicht mehr vorrangig darum, Gestaltungsspielräume für die Entwicklung von Forschung und Lehre (wieder) herzustellen, sondern Freiräume für Steuerungsmechanismen des Marktes zu schaffen. Während von Kielmannsegg und eine größere Zahl grundsätzlicher Befürworter des marktwirtschaftlichen Wettbewerbsmodells auf die Grenzen der Übertragbarkeit hinweisen 2), existieren auch radikalere Varianten, die Konkurrenz bis hin zur Möglichkeit des Scheiterns im Konkurs fordern.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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