Ausgabe Dezember 2000

Aufbruch in Belgrad

In den beiden führenden politischen Wochenzeitschriften Serbiens, "Vreme" und "Nin", wurde Mitte November eine ungewöhnliche Annonce geschaltet: "Wir beobachten euch genau. Passt auf, was ihr tut. Dies ist eine Warnung: Um einen Bagger zu fahren, braucht man keinen Führerschein. Das Volk ist Widerstand". In der Mitte der schwarz-weißen Annonce war die berühmte geballte Faust der Jugendbewegung "Otpor" (Widerstand) zu sehen. Unter diesem Symbol kämpften Zehntausende Jugendliche in den letzten Jahren in lose organisierten Gruppen gegen das Regime Milosevic. Viele Tausende wurden verhaftet, von der Polizei misshandelt, vor Gerichten und in der Öffentlichkeit als "Faschisten" und "Albright-Jugend" verunglimpft. Am 5. Oktober waren "Otpor"-Aktivisten in den ersten Reihen der Massendemonstration in Belgrad, die Milosovic von der Macht fegte. Ein Bagger gelangte beim Sturm auf das Parlament zu mythischem Ruhm, denn mit Hilfe dieses Geräts wurde eine Fensterzeile im Untergeschoss des Parlaments aufgerissen. Durch diese Öffnung drangen die Demonstranten in das Gebäude und schlugen die - allerdings höchst kampfunwilligen - Polizisten aus dem Parlament in die Flucht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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