Ausgabe Januar 2001

Mythen aus Polderland

Das niederländische Modell auf dem Prüfstand

Im 17. Jahrhundert galt Holland als "kapitalistische Musternation" und "Musterland der ökonomischen Entwicklung". Meinte Karl Marx. Heute leuchten die Niederlande wieder einmal als Vorbild. Nirgends in Europa ist die Begeisterung für den niederländischen Weg aus der Beschäftigungskrise - bei gleichzeitiger Sanierung von Arbeitsmarkt, Staatsfinanzen und sozialen Sicherungssystemen, bekannt als "Polder-" oder "Delta-Modell" - so groß wie in der Bundesrepublik. Besonders beeindruckt hat die harmoniegläubigen Deutschen die Botschaft, diese erfolgreiche "Modernisierung" habe sich im breiten Konsens, ohne Zank und Streit und offene Machtkämpfe vollzogen. Im Polderland sei eine neue Symbiose von Marktökonomie und Wohlfahrtsstaat gefunden worden, also genau das, wonach die rot-grüne Bundesregierung sucht. Ländervergleiche sind schon lange keine rein akademische Übung mehr, mit ausländischen Vorbildern wird massiv Politik gemacht.

Die Begeisterung für Holland ist relativ neu. Zu Anfang der 80er Jahre wurden die Niederlande, die zusammen mit den skandinavischen Ländern zur Spitzengruppe der am höchsten entwickelten und kostspieligsten Sozialstaaten zählten, eher als eine Art "kranker Mann" Europas betrachtet.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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