Ausgabe April 2001

Keine Freiheitsstrafe für Kohl?

Das Bonner Landgericht hat der Einstellung des Emmittlungsverfahrens gegen Altkanzler Helmut Kohl gegen Zahlung einer Geldbuße zugestimmt. 1) Die Justiz Nordrhein-Westfalens ermöglicht es ihm auf diese Weise, sich von seinen kriminellen Delikten freizukaufen. Das "System Kohl" kann also auch auf die Hilfe der Justiz zählen. Kohl hat ein gutes Geschäft gemacht: 300 000 DM und eine erfolgreiche Bitte um Spenden für die CDU als Gegenleistung für eine Veruntreuung von 6,5 Mio. DM sind ein Spottpreis. Zum Vergleich: Ein Caritas-Geschäftsführer erhielt für die Veruntreuung von knapp 20 Mio. Mark sieben Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe (also ein höheres Strafmaß als im Fall des Milliarden-Pleitiers Jürgen Schneider); der ehemalige Bundesverkehrsminister Klimmt ist rechtskräftig vorbestraft, obwohl er "nur" Beihilfe zur Untreue geleistet hat.

Das Gericht führt zu Gunsten Kohls die "allgemein anerkannten Leistungen des Beschuldigten für die Gemeinschaft", "sein über 50 Jahre währendes Engagement für die staatliche Gemeinschaft auf allen Ebenen der Politik" und "seine unbestrittenen Verdienste um die Schaffung einer europäischen Friedenszone im allgemeinen, um die Aussöhnung mit den Nachbarn Deutschlands und um die deutsche Einheit im besonderen" an.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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