Ausgabe April 2001

Grundversorgung

"Bild"-Donnergrollen und beherzte Kanzler-Mahnungen führten schließlich dazu, daß der Vertrag mit dem Medienhändler Kirch über die Übertragung der Fußball-WM 2002 und 2006 doch noch zustande kam. Die öffentlichen Gemüter sind jetzt zwar beruhigt, die öffentlich-rechtlichen aber noch nicht: Vier der zehn Intendanten stimmten der Vereinbarung nicht zu. Kirch hat mal wieder alle über den Tisch gezogen. Er hat die wenig attraktive WM 2002 in Japan und Korea (deren Direktübertragungen nachts oder frühmorgens stattfinden) günstig verkauft und kann trotzdem für die eigentlich interessierende WM 2006 in Deutschland immer noch pokern. In einer Art block-booking wollten die Intendanten vor allem die Übertragung von 2006 sichern und waren dafür bereit, für 2002 einen überhöhten Preis zu zahlen.

Genau dies garantiert der Vertrag nicht, es ist nur von einer vagen "Option" für 2006 die Rede. Sollte Kirch die attraktiveren Rechte anderweitig wesentlich teurer losschlagen können, dürfte für ihn der vereinbarte "nachträgliche Rabatt" von 100 Millionen kaum ins Gewicht fallen. Seinen Ladenhüter 2002 ist er für die Rekordsumme von 225 Millionen losgeworden, was einem Minutenpreis von über 100 000 Mark entspricht, und alles andere ist offen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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