Für Schlagzeilen sorgte die kalifornische Energiekrise von Januar bis März, als das gesamte Stromnetz nur durch Abschalten der Stromversorgung im Schichtsystem vor dem Zusammenbruch bewahrt werden konnte. Nacheinander nahm man einzelne Regionen bis zu eineinhalb Stunden vom Netz. Hunderttausende Einwohner und viele Unternehmen waren von diesen rolling blackouts betroffen, Aufzüge blieben stecken, Ampeln fielen aus - die Konsequenzen für die Wirtschaft sind noch nicht abzusehen. Mit Schäden in Höhe von 1,7 Mrd. Dollar pro Woche rechnet die Los Angeles County Economic Development Cooperation. Die kontrollierten Stromabschaltungen bilden den vorläufigen Höhepunkt einer schon länger dauernden Krise, deren Wurzeln in einer gescheiterten Deregulierung des kalifornischen Energiesektors zu suchen sind, einem "kolossalen und gefährlichen Misserfolg", wie es der demokratische Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis, genannt hat. Die Entwicklung nahm ihren Ausgang in den frühen 90er Jahren: Zwischen 1991 und 1994 gingen in Kalifornien fast 750 000 Arbeitsplätze verloren, der Bundesstaat steckte in einer tiefen Rezession. Gleichzeitig erreichten die Energiepreise USRekordniveau; sie wurden nur in wenigen anderen Bundesstaaten übertroffen.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst seit Jahrzehnten und erreicht inzwischen demokratiegefährdende Ausmaße. Dabei droht die neoliberale Ökonomisierung der Politik in eine autoritäre Politisierung der Ökonomie zu kippen, die nicht nur die Demokratie, sondern auch den Wettbewerb untergräbt.