Ausgabe Juni 2001

Armut und Reichtum aus Regierungssicht

"Nicht nur Armut, sondern auch Reichtum muß ein Thema der politischen Debatte sein." Bereits vier Jahre nach dem Gemeinsamen Wort der Kirchen 1), in dem gefordert wurde, einen regelmäßigen Armuts- und Reichtumsbericht vorzulegen, hat die Bundesregierung die Öffentlichkeit über "Lebenslagen in Deutschland" informiert. Betreibt sie dabei zu sehr Werbung in eigener Sache? Die Berichterstattung der Medien war informativ, aber selektiv und nach ein paar Tagen erschöpft. Im Brennpunkt stand offenkundig das hohe Armutsrisiko der Haushalte mit Kindern. Kommentare aus dem Umfeld der Wohlfahrtsverbände, Kirchen und Gewerkschaften würdigten das veröffentlichte Material und fanden die Ergebnisse alarmierend, kritisierten jedoch, daß der Armutsbegriff vage und irreführend, verdeckte Armut nicht berücksichtigt sowie höhere Einkommen und Vermögen nur mangelhaft erfaßt seien. Die Offenlegung der tatsächlichen Verhältnisse hätte den unterschwelligen Faulenzer-Vorwurf des Bundeskanzlers widerlegt.

Welche politischen Folgerungen die Regierung nun ziehen wolle, bliebe leider im Dunkeln.

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