Der Wissenschaftler und Publizist Jaroslav Sonka war perplex, als er im Info-Radio Berlin die Ankündigung des Moderators hörte, 1860 München werde im Fußball-UEFA-Cup gegen die tschechische Mannschaft Petra Drnovice oder so spielen. Es war das "Oder so", das ihn aufhorchen ließ. Denn der Moderator habe sagen wollen, dass er von diesem tschechischen Verein nichts wisse, trug Sonka auf einem Deutsch-Tschechischen Diskussionsforum vor. Und vermutlich war der Moderator des Senders, der auf seine journalistische Kompetenz große Stücke hält, nicht einmal beschämt darüber, dass er mit dem Stadtnamen nichts anfangen kann. So furchtbar viel hatten sich Tschechen und Deutsche in den vergangenen Jahren nicht zu sagen. Und großes Interesse an der Tschechischen Republik kann man den Bundesbürgern schlecht attestieren. Vielleicht verhält es sich bei ähnlich kleinen Staaten, wie zum Beispiel den Niederlanden oder Belgien, genauso, doch zumindest sind die Beziehungen zu ihnen von professioneller Nüchternheit geprägt - normal eben. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien bleiben auf ein Thema beschränkt - eindimensional-emotional möchte man fast sagen: Sudetendeutsche. Was darüber hinaus passiert, findet kaum Beachtung.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.