Am 24. Januar 2002 starb Pierre Bourdieu, „einer der letzten großen Soziologen des 20. Jahrhunderts, die sich um disziplinäre Grenzen nicht kümmerten“, wie Jürgen Habermas über den verlorenen Freund schrieb („Frankfurter Rund- schau“, 25.1.2002), um fortzufahren: „Am tiefsten hat mich berührt, dass sich der Analytiker und Forscher, der seine nächste akademische Umgebung aus exotischer Distanz beobachten konnte, in einen ganz altmodischen Humanisten ver- wandelte, sobald er sich erregte und die Perspektive des Beobachters zugunsten des leidenschaftlich Beteiligten aufgab.“ – Bourdieu gehörte u. a. zu den Wegbereitern und Inspiratoren der Attac-Bewegung, die von Frankreich ausgehend in vielen Ländern, auch der Bundesrepublik, zusehends um sich greift. So mag man es auch als einen Beitrag zur Würdigung der politischen Wirksamkeit Pierre Bourdieus verstehen, wenn wir nachstehend ein bemerkenswertes „Manifest 2002“ der französischen Bewegung vorstellen – erstmals in deutscher Sprache, so wie seinerzeit mit freundlicher Zustimmung Bourdieus dessen unvergessene Rede vor Streikenden im Pariser Gare de Lyon am 12. Dezember 1995 (nachstehend als Reprint aus „Blätter“, 2/1996). – D. Red.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.