Durch die Streiks der Hafenarbeiter und der Gebäudereiniger sorgten die US-Gewerkschaften kürzlich wieder für Schlagzeilen. Mit den Aktionen setzt sich eine strategische Neuausrichtung in der zuvor totgeglaubten Gewerkschaftsbewegung fort, die zu Beginn der 90er Jahre in einigen Einzelgewerkschaften ihren Anfang nahm und mit der Wahl von John Sweeney – dem damaligen Präsidenten der Service Employees International Union (SEIU) – und seinem New Voice-Team 1995 an die Spitze des Dachverbandes AFL-CIO ihren zwischenzeitlichen Höhepunkt fand. Seitdem greifen die Gewerkschaften wieder auf Konfliktstrategien zurück, teilweise ähnlich denen, die schon den Erfolg des CIO in den 146 Kommentare und Berichte Blätter für deutsche und internationale Politik 2/2003 30er Jahren begründeten. Im Zentrum steht dabei die vermehrte Organisierung neuer Mitglieder bzw. der Versuch, mittels integrativer Kampagnen (corporate campaigns) Aktivitäten in verschiedenen Bereichen zu verbinden und den obligatorischen Wahlprozess unter Aufsicht des NLRB (National Labor Relations Board) – und damit die rigide Arbeitsgesetzgebung aus der Zeit des New Deals – zur gewerkschaftlichen Vertretung in den Betrieben zu umgehen.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.