Peter Bender betitelte Anfang der 80er Jahre ein Buch „Das Ende des ideologischen Zeitalters“.1 Es handelt von der Pragmatisierung der Außenpolitik der Großmächte und des Verhältnisses zwischen den Blöcken in den beiden voraufgegangenen Jahrzehnten. Diese Zeit der „normalen Politik“ (Dahrendorf) ist vorbei. Das definitive Ende der Bipolarität und der Aufstieg der USA zur „Hypermacht“ mit globaler power projection hat nicht nur der ökonomischen Globalisierung einen neuen Schub versetzt, sondern eine neue Phase der „außergewöhnlichen Politik“ (ders.) eingeleitet, in der die Verfasstheit und die Spielregeln einer neuen Ordnung erst noch festgeschrieben werden. Ein Merkmal dieser Transformation ist eine partielle Reideologisierung der Konzepte, der Akteure und ihrer Handlungen. Zeiten des Untergangs einer alten und des Ringens um eine neue Ordnung – zusammen mit dem Verlust alter Sicherheiten und dem Auftauchen realer und scheinbarer Möglichkeiten – sind wie schon nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg die Stunde ebenso der „Kassandristen“ wie der „Architekten der Zukunft“. Neu ist auch nicht die konzeptionelle Anspruchslosigkeit einiger erstaunlich einflussreicher Interpretationen und Zukunftspläne.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.