Ausgabe Februar 2003

Kolumbien: Wenig Frieden, viel Krieg

Ein Präsident, der nach außen die Schüchternheit eines Gymnasiasten ausstrahlt. Eine Frau als Verteidigungsminister (Marta Lucía Ramírez) – erstmals in der Geschichte Kolumbiens. Sechs weitere Frauen auf Ministerposten, darunter Carolina Barco im Außenamt, deren Mutter US-Bürgerin ist. Sieht so der „rechtsautoritäre Ruck“ aus, den Kolumbien nach Interpretation mancher europäischer Beobachter nach dem überraschenden Wahlsieg des Außenseiters Álvaro Uribe Vélez im Mai 2002 erfährt? 53% der Urnengänger hatten für ihn gestimmt, weil Uribe, formaliter dem Partido Liberal verpflichtet, die Pazifizierung des Landes versprochen hatte.

Um diesen ominösen Begriff der „Befriedung“ auszudeuten, beschoss die FARC-Guerilla am 7. August, Datum von Uribes Amstantritt, mittels selbst gebastelter Mörser das Regierungsviertel von Bogota. 22 Bürger – zumeist Obdachlose – verloren dabei ihr Leben. Eine Granate traf inmitten der Zeremonie tatsächlich den im pseudoklassischen Stil gehaltenen Präsidentenpalast. Prompt gab es eine offizielle Antwort in Form der Ausrufung der conmoción interior, die etwas sanftere Form des früheren Ausnahmezustands, wie von der Verfassung 1991 (Artikel 213) eingeführt.

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