Ausgabe August 2003

Dänischer Dornröschenschlaf

Im Jahre 1971 fand in Kopenhagen eine legendäre Ausstellung statt: Hippies und Freaks präsentierten ihre Kunst und sich selbst. Zeitgleich erschien die alternative Zeitung "Hovedbladet" ("Hauptblatt") mit einem Artikel über die mögliche Nutzung eines verlassenen Kasernengeländes in zentraler Lage unweit des Kopenhagener Regierungsviertels als alternativen Wohnund Arbeitsort. Daraufhin kommt es zu einem massiven Zuzug von Leuten aus dem alternativen Milieu und zur Gründung der selbst ernannten "Freistadt" Christiania, in der heute rund 1000 Menschen leben und zum Teil auch arbeiten – beispielsweise in Tischlereien, Fahrradläden und Kindergärten. Die kleinen Häuser mit origineller Architektur leuchten in bunten Farben, von einigen bröckelt aber auch der Putz. Bewohner und Besucher können sich in Läden, Cafés und Restaurants versorgen. Arbeitslose, Angestellte, Studenten und Rechtsanwälte leben Tür an Tür, in jedem der 15 Stadtviertel bestehen Komitees, in denen die Bewohner das Zusammenleben organisieren. Die gemeinsame "Freistadtregierung" tagt regelmäßig in für alle Interessierten offenen Sitzungen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.