Lateinamerikas Wirtschaftsdaten, daran ist nicht zu rütteln, sind mager. Trotzdem kann man sie optimistisch interpretieren. Am obszönsten agiert diesbezüglich "Latin Finance", die sündteure, in Miami edierte Monatszeitschrift, die in Hochglanz die lateinamerikanischen Konjunkturzyklen beobachtet und ein wichtiges Börsenthermometer für die Region abgibt: Zwar werden von den Redakteuren immer wieder Stolpersteine wahrgenommen, aber die Vorausschau fällt unweigerlich glänzend aus. Optimismus strahlt beständig auch die Jahrestagung der Interamerikanischen Entwicklungsbank aus, auf deren sybaritischen Empfängen – zuletzt im März 2003 in Mailand – das Licht des lateinamerikanischen Kontinents glüht. Sogar der neueste "Bericht über die menschliche Entwicklung 2003" der UNDP, Anfang Juli in Wien vorgestellt, der nicht umhin kann, weltweit in 54 Ländern einen deutlichen Einkommensrückgang festzustellen, verpackt den Optimismus attraktiv in die Millenniums- Entwicklungsziele, wonach bis 2015 extreme Armut und Hunger auf dieser Welt zu beseitigen sind. Barbados, mit Platz 27 auf der Weltrangliste dieses Reports das erfolgreichste lateinamerikanische Land, schafft auf nationaler Ebene dieses Ziel fast schon heute (und liegt damit nicht weit hinter dem Platz 18 Deutschlands).
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.