Ausgabe Dezember 2003

Optionen nach Cancún

Bei der dramatisch gescheiterten Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) standen zwei große Themen auf der Tagesordnung. Erstens sollten die Minister eine Zwischenbilanz der "Entwicklungsrunde" ziehen, die sie zwei Jahre zuvor in Doha ausgerufen hatten. Dabei ging es allerdings im Wesentlichen nur um weitere Marktöffnungen, vor allem bei Agrarprodukten. Zweitens sollte es in Cancún endlich grünes Licht für Verhandlungen über vier Themen geben, von deren Regelung die Industrieländer sich Chancen für einen neuen Schub bei der Erschließung des Südens erwarteten: Schutz für ausländische Investitionen, Wettbewerb, Öffnung öffentlicher Ausschreibungen für ausländische Bieter und Handelserleichterungen. Die Mehrheit der Entwicklungsländer stand und steht diesen Themen ablehnend gegenüber. Sie befürchten, weitere Zugeständnisse bei diesen Themen würden sie noch stärker in ihren Möglichkeiten beschränken, ihre Wirtschaft souverän und im Interesse des eigenen Landes zu gestalten. Sie bestanden in Cancún vielmehr darauf, dass zunächst einmal die Märkte der Industrieländer in den Bereichen geöffnet werden sollten, in denen der Süden am ehesten konkurrenzfähig ist, vor allem bei Produkten der Landwirtschaft wie Baumwolle und Weizen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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