Ausgabe Januar 2004

Kolumbianisches Wunder

Die harte Hand des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe, an der Macht seit Februar 2002, erzielt tatsächlich vorzeigbare Resultate: Es wird heute deutlich weniger entführt und Kolumbiens Bürger trauen sich wieder auf die Überlandstraßen, wenn auch vorsichtig in von Schützenpanzern begleiteten Konvois. Dank der Operation Orion konnte im Sommer 2003 auf Medellins Stadthügeln das Slumviertel Comuna 13 zurückerobert werden. Da die Streitkräfte mit offensivem Gerät erstmals wirklich kämpfen, musste die FARCGuerilla schmerzhafte punktuelle Niederlagen einstecken. Schließlich ging auch die Hektarfläche des Koka- Anbaus deutlich zurück.

Offen bleibt freilich die Frage nach dem Preis. Ökologisch verursacht das Programm intensiver Entlaubungsaktionen vom Flugzeug aus Verheerungen; ganze Bergtäler verkarsten. Arauca, die tropische Erdölprovinz im Osten, wurde zum Schlachtfeld. Überhaupt haben Offiziere wieder deutlich das Sagen. Marta Lucia Ramirez, die erste Frau auf dem Posten des Verteidigungsministers, ehrlich bemüht um das Eindämmen der Korruption unter den Uniformierten, ließ man im November 2003 über drei Tonnen beschlagnahmtes, aber dann unauffindbares Kokain stolpern.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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