Ausgabe Juni 2004

Labor Ostdeutschland

Der Osten Deutschlands ist wieder zum politischen Thema geworden. Eines, bei dem nur vordergründig die Zukunft Ostdeutschlands verhandelt wird. Untergründig geht es um tief sitzende Vorurteile und Konkurrenzängste – und das sowohl im Hinblick auf die EUOsterweiterung als auch in Bezug auf den Aufbau Ost. Es geht also immer auch um die ganze Republik, um ihre ökonomische, soziale und gesellschaft- liche Zukunft – eine Frage, die gerade im Hinblick auf die in diesem Jahr anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland neue Bedeutung gewinnt.

Im März hatten Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe und Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt gerade erst je eigene Vorschläge für eine Neujustierung des Aufbaus Ost vorgetragen, da gab "Der Spiegel" der aufziehenden Debatte um einen Kurswechsel in der Ostförderung eine neue Wendung. Der Osten bremst den Westen aus, lautete die steile These.1 Dabei stützte sich das Magazin auf ein vertrauliches Papier, das eine Regierungskommission unter Leitung des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters und späteren Treuhand-Managers Klaus von Dohnanyi erarbeitet hatte. Den Befund der Kommission fasste der "Spiegel" so zusammen: "Der Osten steht still – und der Westen stürzt ab, weil er die Milliardentransfers längst aus der eigenen Substanz begleichen muss.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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