Ausgabe August 2004

Zu einer Theorie des Völkermords

Wie andere Delikte auch, erweist sich jene Art des Verbrechens, die uns nach den Erfahrungen der "Holocaust" oder "Shoah" genannten millionenfachen Erschießung oder Vergasung der europäischen Juden durch hunderttausende nationalsozialistische Deutsche wie keine andere moralisch aufbringt, als Ergebnis eines komplexen Zuschreibungsprozesses. Die in den Medien wieder und wieder verbreiteten und ebenso häufig wieder relativierten Warnungen vor einem Völkermord im Westen des Sudan, dem mit Anbruch der Regenzeit weitere hunderttausende Opfer in anderen Teilen des Landes folgen könnten, belegt das trefflich. Bisher konnten sich die zuständigen internationalen Organisationen nicht darauf einigen, die von arabischen Milizen tausendfach verübten Mordtaten, Vergewaltigungen und Vertreibungen als "Genozid", als "Völkermord" zu bezeichnen.

Der Grund für dieses Zögern liegt darin, dass die völkerrechtlich gültige Feststellung eines "Genozids" gemäß der im Dezember 1948 beschlossenen "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermords" für alle Zuständigen Rechtsfolgen und das heißt auch Verpflichtungen nach sich zieht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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