Der Erste Weltkrieg dürfte den meisten Deutschen heute, 90 Jahre nach seinem Ausbruch, beinahe so entrückt sein wie die Punischen Kriege. NS-Diktatur, Zweiter Weltkrieg und Holocaust, dazu zahlreiche Konflikte seit 1945, vorwiegend in Afrika und Asien, mit ökonomischen und politischen Rückwirkungen auch auf Europa, schließlich das Ende der Blockkonfrontation des "Kalten Krieges" mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und anderer kommunistisch regierter Länder in Osteuropa sowie die deutsche (Wieder-) Vereinigung 1989 haben eine Distanz geschaffen, die den Krieg von 1914 bis 1918 in den Hintergrund der Erinnerung drängte. Und dennoch bricht sie immer wieder hervor, die Vergangenheit, die nicht vergehen will. Nicht nur, dass uns unsere Nachbarn in Europa, etwa am symbolträchtigen Jahrestag des Waffenstillstands am 11. November 1918, an diese "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts (wie sie von manchen Historikern genannt wird) gemahnen, an die 15 Millionen Toten (darunter sechs Millionen Zivilisten), die sie forderte. Nicht nur, dass ihre Ängste vor einem aggressiven, die Welt auch im Frieden beunruhigenden Deutschland nicht gestorben sind, auch wenn ihre führenden Politiker etwas anderes sagen. Auch in Deutschland selbst ist der Erste Weltkrieg nicht zum Gegenstand bloß "objektiver Betrachtung" erkaltet.
Vor 250 Jahren wurde die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika verabschiedet. Sie läutete, mehr noch als die Französische Revolution, die Epoche der neuzeitlichen Demokratie ein, die auf individuellen Menschenrechten und politischem Pluralismus beruht.