Ausgabe November 2004

Globalisierung als Chance

Wohl keine Organisation - sieht man von der SPD ab - steht derzeit stärker mit dem Rücken zur Wand als die Gewerkschaften. Die Erosion des Flächentarifvertrages und fortgesetzte Angriffe auf die Tarifautonomie, permanenter Mitgliederschwund und anhaltende Dauerarbeitslosigkeit lassen das Bild von überkommenen Organisationen und Reformverhinderern entstehen. Kurzum: Die deutschen Gewerkschaften befinden sich im Abwehrkampf.

Neben dieser deutschen Innensicht existiert jedoch eine andere Perspektive: die Internationalisierung der Gewerkschaftsbewegung und ihre Öffnung gegenüber den neuen sozialen Akteuren. Die Aktionsformen reichen von der "Battle von Seattle" bis zur Gründung erster "Weltbetriebsräte". Das Neue daran: Die Firmenzentralen und nicht mehr die Arbeitgeberverbände werden zum relevanten Adressaten. Es stellt sich damit die Frage, ob wir tatsächlich an der Schwelle zu neuen globalen Arbeitsbeziehungen stehen und inwieweit die (deutschen) Gewerkschaften darin eine maßgebliche Rolle spielen können.

Das Scheitern der Freiwilligkeit

In den 90er Jahren haben die kapitalistische Globalisierung der Wertschöpfungsketten und die durch sie verstärkten Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen den Protest zivilgesellschaftlicher Gruppen (NGOs) hervorgerufen. Die Konzerne reagierten mit einer Vielzahl an freiwilligen Verhaltenskodizes (Codes of Conduct).

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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