Ausgabe Februar 2005

Entwicklungspolitik ohne Flut

Über gute Vorsätze - und was aus ihnen geworden ist

Nach der Flutkatastrophe in Südostasien profilierte sich die Bundesregierung als großer internationaler Geber: Sie bewilligte nicht nur eine Soforthilfe von 20 Mio. Euro für die Opfer, sondern stockte wenig später die mittelfristige Hilfe sogar auf 500 Mio. Euro auf. Bundespräsident Horst Köhler ordnete einen Staatsakt an und Regierungschef Gerhard Schröder versprach in seiner Neujahrsansprache, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein in der "Einen Welt" zur Maxime des Staatshandelns zu machen. Deutschland glänzt als Musterknabe der humanitären und Entwicklungshilfe. Vergleicht man allerdings Schröders gute Vorsätze mit der rot-grünen Entwicklungspolitik der letzten Jahre, so stellt sich heraus, dass diese keineswegs immer so altruistisch war, wie sie sich in den letzten Wochen gerierte.

Schon lange wird der "Entwicklungshilfe", später in "Entwicklungszusammenarbeit" umgetauft, vorgeworfen, sie sei bestenfalls ein Reparaturbetrieb, der die schlimmsten Folgen einer die Länder der Peripherie klar benachteiligenden Weltwirtschaftsordnung punktuell abmildere. Deshalb fordern viele entwicklungspolitisch engagierte Nichtregierungsorganisationen (NGO) eine Politik, die ebendiese internationalen Strukturen verändert.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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