Ausgabe Dezember 2005

Einfalt oder Vielfalt?

Von Pressekonzentration und Selbstgleichschaltung im Zeitungswesen

Dass ausländische Finanzkonglomerate sich für die deutsche Presse interessieren, ist neu. Die Übernahme des Berliner Verlages durch die Finanzgruppe Veronis Suhler Stevenson und die britische Firma Mecom des Medienunternehmers David Montgomery ist deshalb ein erster Schritt in Richtung einer Pressekonzentration, wie wir sie in der Bundesrepublik noch nicht kennen.

Einen ersten Versuch, sich auf dem deutschen Markt zu etablieren, unternahm 1990 der britische Presse-Tycoon Robert Maxwell. Der war aber mehr Zeitungszar als Finanzgenie. Entsprechend wahnwitzig waren seine Transaktionen, weshalb seine expansiven Pläne mit ihm im Atlantik untergingen.

Das Engagement von David Montgomery ist in diesem Land also neu und ungewohnt. Daher ist die Empörung über den Verkauf des Berliner Verlages besonders groß. Und die Angst der Belegschaften von „Berliner Zeitung“ und „Berliner Kurier“ übersteigt das in diesem Land übliche Maß; sie ist größer als die Angst, die ohnehin seit der Zeitungskrise nach der Jahrtausendwende herrscht. Der „Kurier“ setzte denn auch das Bild einer Heuschrecke neben das Foto von Herrn Montgomery.

Die englische Tageszeitung „Guardian“ hat dem Verkauf des Berliner Verlags einen längeren Artikel gewidmet, in dem auch diese Heuschrecke aus dem „Kurier“ erwähnt wurde.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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