Ausgabe Januar 2006

Israelische Rochaden

Es rührt sich zurzeit etwas in Israel. Nicht nur hat Premierminister Ariel Scharon den Abzug aus dem Gazastreifen vollzogen; nicht nur hat er aus dem innerparteilichen Debakel, welches dieser Akt zeitigte, die politische Konsequenz gezogen und ist aus dem Likud geschieden, um eine neue Parteigründung zu lancieren, sondern auch bei der gegnerischen Arbeitspartei ist Unvorstellbares geschehen: Der staatsmännisch renommierte Politprofi Schimon Peres, bei dem es zuweilen scheinen mochte, als würde er alle Aspiranten auf seine Nachfolge überleben, ist von Amir Peretz, einem nicht dem klassischen Parteiestablishment angehörenden Gewerkschaftspolitiker, aus dem Amt des Parteivorsitzenden katapultiert worden, um kraft seiner neu errungenen Machtposition die Koalitionspartnerschaft mit dem Likud aufzukündigen und vorgezogene Neuwahlen im kommenden März zu erzwingen.

Alles keine selbstverständlichen Geschehnisse. Denn ein aus den besetzten Gebieten sich zurückziehender Scharon unterwandert nicht nur sein politisches Kapital als Ziehvater, ideologischer Förderer und tatkräftiger Unterstützer der Siedlerbewegung, sondern zerstört zugleich auch, konsequent zu Ende gedacht, das, was man gemeinhin als sein eigentliches Lebenswerk anzusehen pflegt, nämlich das über Jahrzehnte beharrlich gewachsene Siedlungswerk.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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