Ausgabe Januar 2006

Kinder und Rente: Welchen Wohlfahrtsstaat brauchen wir?

Wenn es um die Diagnose der Missstände unseres gegenwärtigen Sozialsystems geht, dominiert etwa folgende Analyse den Markt: Die Alterung unserer Gesellschaften stellt uns vor ein großes Problem, nämlich das der Nachhaltigkeit. Wie können wir das ganze Wohlfahrtsstaats-Gebäude, dass wir in der Nachkriegszeit errichtet haben, künftig finanzieren? Problemverschärfend wirkt die Tatsache, dass für die Jungen in Zukunft wenig übrig bleiben wird, wenn die Alten einen immer größeren Anteil unserer Ressourcen verbrauchen.

Ich möchte diese Standardformel umkehren. Wie ich die Dinge sehe und, bisher ohne allzu großen Erfolg, den Politikern nahe zu bringen versuche, müsste unser Slogan etwa so lauten: Eine gute Rentenpolitik beginnt mit Babys. Das mag banal klingen, aber der Punkt ist ziemlich wichtig. Ich bin überzeugt, dass jeder Versuch, unsere Sozialpolitik zu erneuern und zu einer Neukonzeption des Wohlfahrtsstaats zu kommen, mit einer konsistenten Lebensverlaufsanalyse beginnen muss. Wer eine solide Sozialpolitik für das 21. Jahrhundert entwickeln will, muss über Lebenszyklen nachdenken und darüber, was sich in unserem Lebensablauf verändert. Nach dieser Methode werde ich verfahren, um zu zeigen, dass jede gute Politik mit Babys anfängt. Das ist im Grunde nichts Neues.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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