Ausgabe Mai 2006

Das System Lidl und die globale Discountierung

Seit geraumer Zeit steht der Lebensmittel-Discounter Lidl wegen der Ausbeutung seiner Beschäftigten und Lieferanten im Zentrum massiver Proteste von Attac und Gewerkschaften. Lidl ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, nämlich Vorreiter eines umfassenden Prozesses der Discountierung, der zunehmend weite Bereiche der Gesellschaft erfasst. Dieser Prozess greift inzwischen über die klassischerweise als Discounter bezeichneten Unternehmen auf die Organisation des Einzelhandels insgesamt über. Er zeichnet sich generell aus durch einen extrem hohen Druck sowohl auf die Beschäftigten als auch auf die Preisbildung beim Wareneinkauf. Discountierung im Allgemeinen und das Beispiel Lidl im Besonderen werden damit zum Sinnbild der Prekarisierung von Arbeits- und Lebensverhältnissen im neoliberalen Kapitalismus insgesamt.

Das Geschäftskonzept der Discounter ist eine deutsche Erfindung der Albrecht-Brüder, die mit Aldi bereits in den 60er Jahren ins Rennen gingen. Trotz anhaltender Krise des Einzelhandels konnten die Discounter seit 1990 ihren Marktanteil fast verdoppeln. Seit 2005 entfallen 40,8 Prozent des gesamten Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel auf Discounter.1 Schon seit geraumer Zeit kommen Tante-Emma-Läden fast nur noch in ländlichen Regionen vor, doch heute geraten selbst Kaufhäuser und SB-Supermärkte immer stärker in Bedrängnis.

Cover Mai 2006

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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