Anhänger der Dependenztheorie wurden in der jüngeren Vergangenheit zunehmend durch Berichte aus der Welt des Big Bussiness irritiert. Die letzte Forbes-Liste der 476 internationalen Dollar-Milliardäre enthielt beispielsweise zehn Personen aus Indien, acht aus China, 21 aus Lateinamerika, von 33 Russen ganz zu schweigen. Dass es sich dabei nicht bloß um einige neureiche Einzelpersonen handelt, die sich als „Kompradoren“ an die weltweite Ausbreitung des Kapitalismus hängen, zeigt ein Blick auf die Unternehmenslandschaft von Schwellenländern aus dem Süden: Chinesische Konzerne haben allein in den beiden letzten Jahren mehr als 30 Mrd. US-Dollar in internationale Übernahmen investiert. Wer möchte, kann sich heute unter dem Namen „Lenovo 3000“ chinesische Laptops oder Desktops kaufen – nachdem der chinesische Computerhersteller Lenovo 2005 die Personalcomputer- Sparte von IBM übernommen hat. Fünf der zehn größten Reedereien der Welt stammen bereits aus Entwicklungsbzw. Schwellenländern; die Wirtschaftspresse berichtet fast täglich über kleinere oder größere Fusionsfälle, bei denen Unternehmen aus der Ersten Welt von Konzernen der Dritten Welt übernommen werden.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.