Ausgabe Dezember 2006

Fahrstuhl nach unten

Wochenlang bewegte die Debatte über eine neue Unterschicht das Land. Die Erregungskurve erreichte ungeahnte Ausschläge. Was Maßnahmen mit langfristiger Wirkung anbelangt, herrscht dagegen Fehlanzeige. Mehr noch: Die wohlmeinenden Bekenntnisse werden durch die gleichzeitigen Fakten im Kleingedruckten regelrecht konterkariert. Besonders drastisch zeigt sich dies auf dem Feld der Armutsbekämpfung und, damit korrespondierend, der Aufstiegsermöglichung.

Gerade hier wäre es unserer politischen Klasse anzuraten, die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung „Gesellschaft im Reformprozess“ sehr viel genauer zur Kenntnis zu nehmen, als dies bisher tatsächlich geschehen ist. 1 Das vielleicht größte Verdienst dieser Studie besteht darin, nicht bei den bereits seit Jahren bekannten – und umso mehr Besorgnis erregenden – Fakten über das Ausmaß der materiellen Armut stehen zu bleiben, sondern darüber hinaus auch nach den politischen Einstellungen und persönlichen Zukunftserwartungen gefragt zu haben. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Tat erschreckend: So geben 63 Prozent der Befragten an, dass ihnen die gesellschaftlichen Veränderungen Angst machen. Knapp die Hälfte, nämlich 46 Prozent, empfinden ihr Leben als ständigen Kampf; 14 Prozent sehen sich in jeder Hinsicht als Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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