Ausgabe Juni 2007

Die israelische Gesellschaft liegt im Koma

Zum 40. Jahrestag des Sechstagekrieges und der israelischen Besetzung

Der preisgekrönte israelische Journalist und Buchautor Gideon Levy („Schrei, geliebtes Land“, Melzer Verlag 2005) sprach am 7. März d.J. im Studienhaus Beit Josef in Jerusalem über „Israel und die Besetzung.“ Dem Vortrag wohnten neben deutschen Theologiestudenten auch viele Freundinnen und Freunde des Theologischen Studienjahres sowie interessierte Zuhörer aus Jerusalem bei. Gideon Levy war von 1978 bis 1982 Sprecher von Schimon Peres. Seit 1982 schreibt er für die israelische Tageszeitung „Ha’aretz“. Seit 1986 berichtet er Woche für Woche über das palästinensische Leben unter der Besetzung. – D. Red.

Als ich ein kleines Kind war, habe ich mit meinen Eltern und Großeltern deutsch gesprochen. Aber damals kannte ich das Wort Besetzung noch nicht. Und niemand hat mir erklärt, was Besetzung ist. Darum kann ich darüber nicht in Deutsch sprechen. Außerdem habe ich mein Deutsch auch weitgehend verlernt. Deshalb wechsele ich jetzt ins Englische.

Ich bin in Israel geboren. Meine Eltern waren Flüchtlinge, mein Vater stammte aus dem Sudetenland. Er lebte 60 Jahre lang in Israel und fand hier nie seinen Platz. Für mich war er das erste Beispiel eines Flüchtlings. Ich weiß nicht, wie sehr das meine Karriere und die Wege, die ich eingeschlagen habe, beeinflusst hat.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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