Ausgabe August 2007

Unternehmen in der Pflicht

Seit Anfang dieses Jahrzehnts gibt es eine ständig wachsende Zahl von (Groß-)Unter nehmen, die sich unter der Überschrift Corporate Social Responsibility für die freiwillige Einhaltung von Verhaltenskodizes einsetzen.1 Doch in der breiten Öffentlichkeit ist CSR – wie es in der Fachdiskussion oft abgekürzt verwendet wird – überwiegend nicht bekannt. Bei einer Befragung des Instituts Markt-Umwelt-Gesellschaft (imug) gaben fast 80 Prozent der befragten Verbraucher an, den Begriff noch nie gehört zu haben.2 Umso mehr bedarf es einer kritischen Bestandsaufnahme des vermeintlich so vertrauenserweckenden Konzepts.

Die bisherige deutsche Diskussion wurde vor allem von der Europäischen Kommission beeinflusst. Mit der Lissabon- Strategie vom März 2000 zur wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Erneuerung der Europäischen Union wurde das Thema erstmals auf die europäische Agenda gesetzt. Im Grünbuch 2001 wurde CSR als ein Konzept definiert, das den Unternehmen dazu dient, auf freiwilliger Basis soziale und ökologische Belange in ihren Produktionsprozessen zu integrieren.3

Die meisten Unternehmen entscheiden sich vor allem aus zwei Gründen für die freiwillige Beteiligung an CSR: Immer wieder wird in den Medien über Kinderarbeit, Hungerlöhne, unmenschliche Arbeits- und Produktionsbedingungen sowie umweltbedingte Katastrophen in den Entwicklungsländern berichtet, auf die zu reagieren sich die Konzerne in wachsendem Maße gezwungen sehen.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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